Manuelle Bettfedernreinigung,  Bettfedern- und Daunen-Wäsche

nach Sophie Maier-Streib um 1900

Sophie Maier-Streib schreibt u.a. in der Publikation "Bettfedern und Roßhaar"

Keineswegs genügt das allgemein übliche Lüften, Sonnen und Klopfen der Betten; dieselben müssen vielmehr von Zeit zu Zeit von Grund auf neu in Stand gesetzt werden. Dazu ein Gedicht von Marie Maier-Streib:

Wo mag die Schuld wohl liegen,
Was wird der Grund wohl sein?
Daß wir auf Federn liegen,
Die nie gewaschen sein!
Die nie die Seife spüren.
Die nie die Sonne sah'n.
Die nie im Winde fächeln,
Im ew'gen Keller stah'n!
Die Gans hielt sie so sauber,
Die Ente sie so rein,
Der Schwan wie Hermelinen,
Die alles Schmutz'ge scheun.
Sie werden wohl geschleudert,
Gestäubet und gedämpft;
Doch ist's nur halbe Sache,
Die man schon g'reinigt nennt.
Mach mir die Haut nicht frieren
Und ja den Pelz nicht naß!
Sind so die echten Wäschen,
Die man im Erdkreis hat?
Die Frauen könntens ändern,
Die Frauen ganz alllein;
Da sie veredelt werden
Wie Gold und Edelstein.

Bettfedernreinigung, Bettfederndesinfektion und Bettfedernbleiche nach Sophie Maier-Streib

Das Präparieren der Daunen von Schwan, Gans, Fettente etc. zu feinen Betten
Für die kostbaren Federn nehme man nach dem Maßstabe von zwei zu waschenden Plumeaux einen  Gazesack (Organtin), welcher die doppelte Länge und Breite der Plumeaux hat und wäscht die Appretur desselben ganz heraus. Nach diesem bringt man die zur Wäsche bestimmten Daunen hinein, macht einen Seifenschaum aus 200 Gramm venetianischer Seife (aus der Apotheke zu beziehen) mit 4 Liter weichem Wasser, dem ein Teelöffel voll gestoßener Borax aufgelöst zugegeben wird, rührt diese Mischung durcheinander und bringt den Sack in die nur lauwarme Flüssigkeit.
Man mache schonende Griffe, um den Inhalt gut in dem Seifenschaum zu tränken; ist aller Schaum angesaugt, so lasse man den Sack samt Inhalt eine halbe Stunde ruhig liegen und beängstige sich nicht, wenn diese kostbaren Federn in ein Nichts zerfallen sind.
Mit spielender Hand nehme man dann den Sack in einen zweiten Seifenschaum (lauwarm) der mit nur 100 Gramm venetianischer Seife in 4 Liter Wasser hergestellt und demselben ebenfalls nur 1/2 Teelöffel aufgelöster Borax beigegeben wird und verfahre damit in gleich schonender Weise wie zuvor.
Hierauf werden die Daunen in dem Sack in 3 bis 4 Liter Wasser (lau) rein durchgeschwenkt. Dann läßt man sie in einem Korbe abrinnen.
Alsdann  sind die Daunen behutsam aus ihrer Umhüllung zu nehmen und un guter Zugluft halb zu trocknen, worauf sie geschwefelt* werden, was auf die im vorigen Kapitel ausführliche angegebene Art und Weise geschieht, worauf ich verweise.
Zu bemerken ist noch, daß hier 2 Eßlöffel voll Schwefelblüte genügen und der Bleichprozeß nach 2 Stunden schon vorüber ist.
Hierauf kommen die Daunen auseinandergebreitet an die Luft oder Sonne, wo sie öfters gewendet werden müssen.
Sind dieselben dann zu ihrer Entfaltung vorgeschritten, so werden sie wieder in den inzwischen getrockneten Gazesack gefaßt und an der Sonnenwärme oder Luftzug, wie eben erwähnt, weiter gepflegt; auch beklopfe man den Sack öfters mit den flachen Händen, was die schonendste Behandlung ist.
Zurückkommend auf das Wasser- bezw. Seifenbad, habe ich noch beizufügen, daß daselbe nie mehr als lauwarm sein darf, da sonst die feinen Fasern der Daunen einschrumpfen und kein Mittel existiert, diesen Fehler wieder gut zu machen; ebenso ist es nicht ratsam, daß die Daunen in die Maschine kommen, da bei der Zartheit derselben, wie schon gesagt, die feinen Fasern dieser Federn zu viel Abgang ergeben würden.
Nachzutragen ist hier noch, daß die Daunen, welche zuvor in dem Sack gleichmäßig verteilt werden, mit diesem einmal durch Wringmaschine laufen dürften, was zur Beschleunigung der Trocknung viel beiträgt      

*Das Schwefeln:

Man legt zwei Stangen auf zwei entsprechend entfernte Stühle und stellt die Körbe (mit den Daunen) quer auf die Stangen, bringt ein feuerfestes Töpfchen oder Tiegel darunter auf den Boden, füllt daselbe mit Schwefelblüte, macht in deren Mitte eine kleine Vertiefung und legt einige kleine glühende Kohlen oder brennente Zündhölzchen hinein, deckt die Körbe mit einem oder mehreren dichten, benäßten Tüchern zu und zwar so, daß die Enden bis auf den Boden reichen und somit Federn samt Schwefelgefäß einhüllen, wodurch das Entweichen des Schwefeldampfes nach Möglichkeit verhindert wird und daher durch das Geflecht der Körbe in die lockeren Federschichten in vollem Maße eindringen kann.

 
Aus dem Büchlein "Bettfedern und Roßhaar" von Sophie Maier-Streib,
erschienen um ca.1920 im Karl-Rohm-Verlag Lorch / Württemberg

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